Einmal abhalten erspart die ein oder andere Stunde Gemecker! Ein Windelfrei Erfahrungsbericht

Windelfrei Erfahrungsbericht Tipps

Windelfrei-Dienstag: Zwischen ganz und gar nicht ist alles erlaubt

Dieser Windelfrei Erfahrungsbericht ist von Franziska Viktoria. Er macht Mut, Windelfrei für dich passend zu gestalten! Alles darf, nichts muss!

Meine Anmerkungen dazu in pink.

 

Wie alt ist dein Kind jetzt und von wann bis wann habt ihr windelfrei (Ausscheidungsbedürfniskommunikation) gemacht (oder macht es noch)?

Mein Sohn ist 12 Wochen alt und wir haben mit windelfrei angefangen, als er ca. 2 Wochen alt war. Wobei er schon vorher kommuniziert hat, wir haben es nur nicht gecheckt.

Rückblickend gab es ein paar Situationen, in denen man hätte merken können, dass er gerne ein Windelfrei-Kind wäre. Z. B. hatte er im Krankenhaus abends immer „Bauchschmerzen“. Er hat geweint und einmal hat die Schwester ihn ausgezogen und massiert und hat berichtet, er hatte einen ganz aufgeblähten Bauch und beim massieren kam ganz viel Stuhl und Urin. Ich glaube, er hatte Bauchweh vom Einhalten.

Oder eine andere Situation: Er hat ganz oft abends geweint, so über 3 Stunden, und nichts hat wirklich geholfen. Er wollte stillen, aber hat ständig ab- und angedockt un‎d war sehr unleidig. Seit wir ihn abends konsequent abhalten, ist das Verhalten verschwunden. Was sehr schön ist, weil ich in diesen Zeiten gezweifelt hab, ob stillen auf Dauer das Richtige ist.

Lucia: An- und Abdocken beim Stillen – ein typisches „Ich muss mal!“-Signal 🙂

In welcher Form praktizierst du windelfrei (Vollzeit, Teilzeit, große Geschäfte, Standardsituationen …)?

Ich würde sagen, wir sind teilzeitwindelfrei. Zuhause halten wir bei allen Signalen ab, die wir merken. Wenn wir alleine sind, erwischen wir fast alles, wenn Besuch da ist, klappts so 50%. Außer Haus halten wir in der Regel nicht ab. Dafür fühle ich mich noch nicht bereit, möchte es aber irgendwann anfangen.

In Standardsituationen halten wir nur ab, wenn wir ein Signal sehen. Und bei uns klappt komischerweise Pipi besser als großes Geschäft. Ich glaube, ich nehme ihn manchmal zu schnell wieder runter.

Er trägt immer Stoffies. Ohne Windel hab ich ihn selten, aber wenn, dann findet er es super, weil er viel besser strampeln kann und man nicht jedes mal fürs Abhalten alles ausziehen muss. Ich hoffe, dass ich es schaffe, wenns warm genug für nackig ist, ihn öfter unten ohne zu lassen.

Wie bist du auf windelfrei gekommen, woher weißt du davon?

Ich bin vor der Schwangerschaft mal bei YouTube drauf gestoßen. Ich dachte mir damals, dass es schon cool ist, aber ich das eh nicht hinkriege. Darum hab ich es wieder aus den Augen verloren.

Beim Wickeln hat es dann mal unsere Hebamme erwähnt und weil unser Sohn an einem Abend voll unleidig war und nix geholfen hat, haben wir ihn einfach mal (etwas unbeholfen) über dem Waschbecken abgehalten. Und siehe da: Es kam eine große Portion und danach war das Kind zufrieden 🙂

Warum machst du windelfrei?

Hauptsächlich, weil mein Baby dann zufriedener ist.

Außerdem sind wir ein bisschen faul und haben durch abhalten weniger Windel-Wäsche, keinen wunden Po, keine Bauchschmerzen oder Drei-Monats-Koliken* und ein ruhigeres Baby – und somit selber eine entspanntere Zeit ;)‎

Es hat sich als praktischer herausgestellt, seine (ausscheidungsbezogenen) Bedürfnisse zu stillen, statt ihn irgendwie abzulenken und mit anderen Sachen zu beruhigen. Und einmal abhalten erspart die ein oder andere Stunde Gemecker seitens des Kindes.

Und ich finde es auch irgendwie seltsam (jetzt, wo ich mich mehr damit auseinander setze), dass man Babys beibringt, in eine Windel zu machen, und mit zwei Jahren möchte man ihnen beibringen, ins Töpfchen zu machen.

Wobei ich manchmal, wenn er das Abhalten einfordert und es mir zu viel ist oder mangels Abhaltegelegenheit nicht geht, mir auch schon dachte: Warum hast du damit nur angefangen und dein Kind nicht einfach an Windeln gewöhnt!? Vergeht aber spätestens, wenn man die überraschten Gesichter sieht, wenn man von einem Tag (fast) ohne nasse Windeln erzählt 😉

*kommt laut manchen Windelfrei-Leuten vom Einhalten. Kann ich bestätigen: Seit wir abhalten sind die ominösen Bauchschmerzen verschwunden 🙂

Lucia: Wunderbar Franziskas Gründe! Kenne ich von uns auch so 🙂

Und auch hier gerne mein Hinweis: Wenn du jetzt überlegst, dass Windelfrei auch euch bei Koliken helfen kann, dann probiere es unbedingt aus! Vielleicht stellst du auch genau das fest! Doch sei nicht enttäuscht, wenn es bei euch nicht klappen sollte. Es sind auch andere (manchmal nicht erkennbare) Gründe für starke Unruhe oder Schreiphasen möglich. 

Nach einer (nicht repräsentativen) Umfrage unter Windelfrei-Eltern berichtet etwa die Hälfte, dass ihnen Windelfrei bei Koliken geholfen hat.

Was ist/war für dich der größte Stolperstein/die größte Herausforderung bei der Ausscheidungsbedürfniskommunikation?

Ich würde sagen, der Anfang. Es gibt zwar tolle Foren, Blogs und Videos, aber keiner kann die Sprache deines eigenen Babys für dich dolmetchen. Denke, da würden windelfreie Freunde oder eine Austauschgruppe (in echt, nicht im Internet) etwas helfen.

Lucia: Für alle Suchenden: Hier sind viele Windelfrei-Coaches eingetragen. Vielleicht ist auch einer in deiner Nähe? 

Wir hatten am Anfang das Problem, dass wir quasi keinerlei Signale gesehen haben und dann halt beim Wickeln abgehalten haben, aber da wars ja schon in der Windel und drum wars meistens nicht erfolgreich. Aber wir haben zum Glück durchgehalten.

Ich kann nur jeden ermutigen, einfach ins kalte Wasser zu springen! Irgendwie stellt sich mit der Zeit ein Gefühl dafür ein und es klappt mit der Kommunikation 🙂

Was ich auch schwierig finde, ist, sich als windelfrei zu „outen“. Manche finden es voll cool, andere halten einen für verrückt. Vorallem wenn sie zuschauen wollen beim Abhalten, weil dann klappt es eh nicht. Oder wenn jemand das Baby auf dem Arm hat und man denkt, es muss mal, und das sagt, ist sich das Gegenüber selten bewusst, dass das heißt, das Baby muss JETZT abgehalten werden. Aber das wird mit der Zeit besser, wenn man sicherer wird im Windelfrei-Sein und wenn man selbstsicherer wird.

Was hilft/half dir in herausfordernden Situationen am meisten?

Herausfordernd sind bei uns Situationen, in denen unser Sohn mal muss, aber wir nicht abhalten möchten oder können. Z. B. im Zug, bei Verwandten etc. Aber wir haben noch nix gefunden, was hilft. Ich denke, entweder er wird sich dran gewöhnen müssen, in die Windel zu machen, oder wir werden früher oder später doch abhalten.

Wenns mal nicht klappt mit abhalten, dann helfen cool bleiben und Windeln nutzen 😉 Wir machen es ja eh hauptsächlich, weil unser Sohn es will. Wenn er unser Angebot nicht annehmen will, dann ist das auch okay.

Schwierig ist es bei uns nachts. Da weckt er uns, weil er mal muss, aber wenn ich ihn abhalte, weint er, weil er wach wird. Da hab ich aber leider auch noch keine Lösung.

Lucia: Wem geht es noch so? Austausch hilft so viel! Bei unseren Windelfrei-Treffen lernen auch wir Coaches noch jede Menge dazu, weil Eltern einfach „ihr Ding“ machen respektive eine individuelle Lösung gefunden haben und diese in der Gruppe weiter erzählen. 

Und konkret: Abhalten unterwegs „muss“ nicht sein – aber darf natürlich. Wenn du es angehen möchtest, dann achte darauf, dass du es dir einfach machst. Dein Kind trägt also für dich passende Kleidung (z. B. Windel unter Splitpant, die du über den offenen Schritt öffnen kannst; oder locker geschlossene Stoffwindel, die du zusammen mit der Hose einfach in die Knie ziehst; … Eben etwas, das du praktikabel findest) und du machst es vielleicht genau wie zuhause, gehst zur Zugtoilette oder hast euer Töpfchen dabei. „Übe“ gerne erst mal Zuhause.

Nachts: Stillen und abhalten gleichzeitig schon probiert? Manchmal dauert es auch eine Weile, bis sich die jungen Menschen ans Weiterschlafen gewöhnen. Dran bleiben. Oder zuerst abhalten und dann weiter stillen. Oder in ein Mulltuch erleichtern lassen, wenn hochnehmen zu viel munter macht. Oder … 

In Düsseldorf bieten wir auch den extra für diese Themen erstellten Windelfrei Vertiefungsworkshop an. Wohnst du andernorts, schau gerne hier, ob es eine Veranstaltung in deiner Nähe gibt, oder schreibe mich an für ein Familiencoaching per (Video-)Telefon/Internet.

 

Was ist/war für dich der größte Vorteil/das Beste an der Ausscheidungsbedürfniskommunikation?

Ein zufriedeneres Baby (s.o)

 

Danke Franziska für deine Einblicke, Erklärungen und Mutmacher! <3

 

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