Windelfrei beim Papa – ein Erfahrungsbericht 

Es gibt eine wichtige Frage, die in vielen Coachings eine Rolle spielt: „Was kann ich machen, dass auch der Papa auf Zeichen achtet und unser Baby zu den Geschäften begleitet?“

Diese Frage kommt vor allem dann, wenn sich bisher nur die Mutter für Windelfrei interessierte.

Manchmal bekomme ich aber auch schon im Vorfeld eines Familiencoachings die Bitte, extra auch den Partner einzubeziehen; denn er komme zwar mit, aber eigentlich halte er (noch) nicht viel davon.

Sind Männer schwieriger zu motivieren?

Wenn sich eine Mutter alleine zu einem Workshop oder Coaching anmeldet, rege ich immer an, dass auch der Partner mitkommt. Denn:

  • Zu zweit hört man mehr (in dem Sinne, dass sich jeder etwas anderes merkt und später ggf. Missverständnisse besser geklärt werden können).
  • Es kann sich jeder selbst ein Bild von Windelfrei machen und ist nicht abhängig von der Meinung und dem (Nicht-)Verständnis des anderen.
  • Jeder, der anwesend ist, kann (seine eigenen) Fragen stellen. Und ja, verschiedene Personen haben verschiedene Fragen – auch, wenn sie zusammen leben und sich lieben! 😉 (Dabei lieben Janica und ich herausfordernde Fragen! Je kritischer jemand zu Windelfrei eingestellt ist, umso ausführlicher und tiefgreifender können wir über eines unserer Lieblingsthemen sprechen! Was könnte es Schöneres geben?! 🙂 )

Männer verstehenVater-Baby

Doch warum kommt es überhaupt dazu, dass diese Frage so eine große Rolle spielt?

Ich bin mir sicher, dass es mit unserer Gesellschaft, den Arbeitsplatzbedingungen, den Rollenbildern und auch mit evolutionären Aspekten (z. B. Stillen) zusammenhängt.

Viele Väter können z. B. nur für kurze Zeit von ihrem Arbeitsplatz zuhause bleiben und bekommen in weiterer Folge weniger von ihrem Kind mit – auch wenn sie sich noch so bemühen in der gemeinsamen Zeit. Geht nicht! Das Verpasste kann nicht aufgeholt werden.

Deshalb ist es für Väter (in einem klassischen Elternmodel) überhaupt schwieriger, bei Windelfrei mitzumachen: Dadurch, dass sie weniger Zeit mit ihrem Kind verbringen, kennen sie ihre/seine aktuellen und subtilen Signale nicht so gut. Manchmal sehen sie auch, wie einfach es bei ihrer Partnerin aussieht und funktioniert – und trauen sich noch weniger. Weil sie wissen, dass es bei ihnen „Fehler“ geben wird. (So, wie wir Mütter nicht jedes Geschäft erkennen! Aber wenn der Partner unterwegs ist, schaut uns niemand kritisch über die Schulter 😉 )

Es geht trotzdem!

Und obwohl es diese Schwierigkeiten gibt, schaffen es natürlich auch viele Männer, mit ihrem Kind über ihr Ausscheidungsbedürfnis zu kommunizieren! Weil sie es wollen. Weil sie es können! Weil sie es klasse finden. Also genau wie wir Frauen auch 🙂

Doch wie geht es jetzt konkret, dass der Partner mitmacht? Hier ein Erfahrungsbericht von Sarah:

Mein Mann ist sich noch unsicher mit dem Zeichen-Erkennen und möchte auch nicht nass werden. Da unsere Ehe auf Harmonie und Kompromissen basiert, bekommt unsere Tochter also Windeln an, wenn Papa mit ihr spielt. Zur Zeit sind es noch Wegwerfwindeln, da wir zu viele geschenkt bekommen haben.

Am Samstag waren wir auf einer Geburtstagsfeier. Für diese 8 Stunden bekam sie auch Windeln an, da ich gewiss war, dass ich ihr nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken könnte. Als wir zu Hause ankamen, zog ihr mein Mann die Windel sofort aus und meinte: „Wir ziehen mal die Pämpi aus, damit da Luft dran kommt … Ja, du siehst auch so aus, als ob du das magst!“ 🙂

Am nächste Tag, Sonntag, verbrachten wir einen gemütlichen Tag auf der Couch und Papi spielte mit Tochter. Ohne Back-Up! Und diesmal sehr entspannt! Dann meinte er, ein Zeichen zu erkennen, und gab sie mir, um sie abzuhalten. Und wirklich, es plätscherte munter ins Töpfchen. Mein Mann war ganz begeistert, dass es nun doch so einfach und unkompliziert zu sein scheint!

Es hat zwar vier Wochen und noch einige Pämpis benötigt, aber mit viel Kompromissbereitschaft macht jetzt auch der Papa mit. 😀

 

Zusammenfassende Tipps

  • Lass dem Papa die Zeit, die er benötigt!
  • Lass ihn am Windelfrei-Alltag teilhaben und versorge ihn mit Informationen. Zum Beispiel „Hm, du bist total unruhig. Wahrscheinlich musst du mal. Komm wir gehen ins Badezimmer.“
  • Der Papa hat genauso viel Geduld verdient, wie dein Baby! 😉
  • Sei offen dafür, dass Papa und Baby ihren eigenen Weg entdecken und gehen!

 

Jetzt bist du dran: Beteiligt sich der Papa bei euch? Wie steht er zu Windelfrei und abhalten? Wie konntest du ihn mit ins Boot holen oder motivieren? Teile deine Erfahrung mit anderen Eltern!

2 thoughts on “Windelfrei beim Papa – ein Erfahrungsbericht 

  1. Mein Mann macht total gut mit. Ich hatte im Wochenbett noch ziemlich Kreislaufprobleme, sodass ich nicht abhalten konnte. Mein Mann fragt mich manchmal noch ob der kleine muss und meistens sage ich ihm ehrlich, dass ich es auch nicht weiß aber er solls mal probieren, wenn er das gefühl hat dass er mal muss. Wenn er grad auf ihn aufpasst und der kleine unruhig wird, hält er ihn immer erstmal ab, bevor er mich zum stillen ruft. Bin sehr froh dass wir die Entscheidung zu windelfrei gemeinsam getroffen haben. Bzw eigentlich hat sie unser Sohn für uns getroffen 😉 Stelle es mir schwer vor wenn der mann nicht mitzieht.

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