Windelfrei-Dienstag: Zwischen ganz und gar nicht ist alles erlaubt

Was einem mit windelfrei passieren kann. Oder: Der erste unfreiwillige Ausflug ohne Backup

Jetzt hatten wir es also einmal. Ganz und gar windelfrei, gar nicht salonfähig. Die Babydame war mit blankem Po unterwegs. Wie es dazu kam? Es war neulich, als ich nur mal eben kurz hinaus wollte, und dabei alles zu Hause vergaß: Schlüssel, Telefon, Geld, Wechselbackup und Verpflegung für den jungen Mann. (Die letzten beiden Dinge hätte ich geplanter Weise auch gar nicht gebraucht). Zu allem Überfluss saß die Babydame auch noch halbnackt im Tragetuch, nur mit T-Shirt und Socken bekleidet. Für eben-mal-kurz völlig in Ordnung, weil sie dann meist nicht aus dem Tuch möchte, daher mache ich mir dann gar nicht erst die Mühe, ihr mehr als Zuhause anzuziehen.

Doch jetzt war es anders. Der Lebensmann würde wahrscheinlich erst in 2-3 Stunden nachhause kommen, also hatten wir viel Zeit außerhalb der Wohnung zu verbringen. Ohne alles.

Auf zum Spielplatz!

Der junge Mann wünschte sich den Spielplatz, also gingen wir an diesem sonnigen Spätnachmittag dorthin – und fanden uns in einem wuselnden und durcheinander schreienden Knäuel von Eltern und Kindern wieder. Damit hatte ich nicht gerechnet (bzw. nicht daran gedacht)! Trotzdem wollte jemand unbedingt bleiben und beobachten und bei Gelegenheit selbst spielen …

Schließlich war auch der unausweichliche Moment da: Die Babydame signalisiert ein anstehendes Geschäft! Nicht abhalten mit einem nassen Tragetuch und einer unzufriedenen Babydame für den Rest des Abends? Keine Option; normalerweise schon nicht und erst recht nicht in dieser Situation! Private Ecke? Gibt es nicht. Etwas geschützt abhalten und dann zurück ins Tragetuch? Ist nicht; wenn die Babydame munter ist, will sie Freiheit und Action!

Die Erkenntnis

Also blieb nur eines: Babydame auspacken, abhalten und mit ihr mit nacktem Po auf und ab spazieren. Am Rande der tobenden Kinder und im Blickfeld der aufpassenden Eltern. In diesem Moment wurde mir klar:

In letzter Zeit bekommt die Babydame unterwegs ein Backup, um annähernd normal in unserer Gesellschaft auszusehen! Es war mir peinlich, dass sie nackt war, weil das in unserer Gesellschaft absolut unüblich bis verpönt ist! Der Schutzaspekt hat für mich nur geringe Bedeutung, da sie (vor allem unterwegs) sehr gut signalisiert und ich sie dann auch immer abhalte.

Und wie ist es ausgegangen?

Vier Stunden und einige Anrufe über das Telefon des hilfreichen Nachbarn später sind wir mit trockenem Tragetuch, gut gelaunt und etwas müde wieder in unserer Wohnung. Die Babydame zeigte alle Geschäfte an, der junge Mann sah meist interessiert zu oder spielte einfach weiter.

Seit diesem Erlebnis verzichte ich oft auch bei längeren Ausflügen auf ein Backup. Stattdessen kleide ich die Babydame mit einer bequemen Stoffhose, sodass sie vor fremden Blicken geschützt ist.

Seither ist es mir annähernd egal, wie viele Personen beim Abhalten zusehen. Ich weiß noch nicht einmal, ob jemand von den Eltern am Spielplatz geschaut hat, denn ich habe selbst ganz bewusst einfach nicht geschaut, sondern mich auf die Babydame konzentriert. Erhaltene Kommentare? Keine.

Gelernt: Selbstverständlichkeit im Umgang mit (dem Ausscheidungsbedürfnis) der Babydame.

Hattest du schon eine ähnliche Situation? Welches Erlebnis hat dich in deinem Tun gestärkt? Hinterlasse gerne einen Kommentar!

 

Nachtrag

Ein paar Tage später waren wir noch einmal auf dem Spielplatz. Dabei bin ich über einen Bagger mit einer anderen Mutter ins Gespräch gekommen, die unter anderem meinte: „Ich habe Sie vor ein paar Tagen schon bewundert, was Sie mit Ihrem Baby machen. Funktioniert das wirklich?“ – Es ist also (mindestens auch) positiv aufgefallen 🙂

 

… den versprochenen Beitrag zur Intuition musste ich bei dieser Geschichte einfach verschieben! Vielleicht passt er beim nächsten Mal.

2 thoughts on “Windelfrei-Dienstag: Zwischen ganz und gar nicht ist alles erlaubt

  1. Das kommt mir nur all zu bekannt vor.

    Als mein kleiner Großer 18 Monate alt war, haben wir die Windel weggelassen. Ohne viel Windelfrei vorher, nur ganz wenig. Nach einer Woche: Alles paletti. 🙂
    Okay, alle paar Wochen gab es wieder wenige Pfützen, was soll’s – Einfach wie die Vietnamesen lachen. 😀

    Aber die ersten Ausgänge unten-ohne (also ohne Windel) waren für mich blanke Aufregung und Nervosität. Ich war so aufgeregt. Was wenn mich jemand abhalten sieht? Was wenn mitten im Laden etwas daneben geht? Was wenn, was wenn, was wenn.

    Nachdem alles gut geklappt hat, war ich natürlich sehr erleichtert.

    Aber es ist so: Irgendwann kommt der Moment, da macht das Kind mitten auf dem Spielplatz auf dem Klettergerüst in die Hose. Das erste Mal ist das mega peinlich. Das nächste Mal sieht man es schon gelassener.

    Man muss es einfach mal erlebt haben, dann sieht man, dass nichts schlimmes passiert: Niemand schimpft. Der Pipi-Fleck trocknet. Das Kind ist schnell umgezogen.

    Alles Sache der Erfahrung. Man muss sich einfach trauen. Dann ist alles halb so schlimm 🙂

    Liebe Grüße,
    Julia

  2. Hallo Julia!

    Oh, auch eine sehr spannende Erfahrung! Und es tut so gut, davon zu lesen: Nein, es passiert nichts Schlimmes, wenn irgendwo ein Geschäft „daneben“ geht. Passiert schließlich fast allen Müttern äh Kindern einmal!

    Irgendwie neigen wir Eltern (oder nur Mütter?) dazu, das auf uns zu beziehen, oder? Dabei ist das ja eindeutig Sache des Kindes 🙂

    Herzliche Grüße!
    Lucia

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