Windelfrei in der Krippe – geht das? Ein Windelfrei Erfahrungsbericht

Windelfrei Erfahrungsbericht Tipps

Windelfrei-Dienstag: Zwischen ganz und gar nicht ist alles erlaubt

Hier der Windelfrei-Erfahrungsbericht von Sabrina K. Besonders lesenswert auch für alle, die sich für Windelfrei in der Krippe (frühe Fremdbetreuung) interessieren – oder diese Kombination für unmöglich halten 😉 Am besten bis zum Ende lesen, Sabrina gibt rundherum viele schöne Tipps!

Meine Anmerkungen in pink.

 

Wie alt ist dein Kind jetzt und von wann bis wann habt ihr windelfrei (Ausscheidungsbedürfniskommunikation) gemacht (oder macht es noch)?

Meine Tochter ist 21 Monate alt. Im Grunde ist sie trocken, sie ist stets ohne Windeln unterwegs. Natürlich gibt es noch Tage, an denen sie einpullert. Manchmal ist das unsere Schuld, weil wir einfach nicht schnell genug reagieren. Manchmal ist sie einfach zu tief in ihr Spiel vertieft. Aber alles in allem klappt es sehr gut.

In welcher Form praktizierst du Windelfrei (Vollzeit, Teilzeit, große Geschäfte, Standardsituationen …)?

Vollzeit.

Wir hielten unsere Tochter das erste Mal im Alter von 1 Woche ab. Anfangs trug sie trotzdem WWWs, die aber fast immer trocken blieben.

Nach 3 Monaten wechselten wir auf normale Unterwäsche und G-Diapers* mit Ikea-Waschlappen* als Saugeinlage (2 Windeln und 20 Waschlappen), für die Zeit, wenn wir irgendwo waren, wo besser kein „Unfall“ passieren sollte.

Auch nachts schlief sie da bereits ohne Windel. Wir hatten einen großen Wischeimer am Bett stehen, über den wir sie bei Bedarf abhielten. Das war aber eher die Ausnahme, in der Regel muss sie nachts nicht.

Wie bist du auf Windelfrei gekommen, woher weißt du davon?

Ich hatte bereits vor der Geburt meiner Tochter (2. Kind) davon gehört, es für mich aber als nicht praktikabel abgetan (zuviel Wäsche, zuviel Arbeit…). T. weinte aber immer so schlimm ein paar Minuten nach dem Stillen.

Eine Freundin riet mir dann, sie mal über einem Topf abzuhalten und zu gucken, ob das Linderung verschafft. Ich dachte einen Tag lang darüber nach und als ich es dann meinem Mann erzählte, holte er sofort den Topf und hielt sie ab. Sie pullerte direkt los und hörte auf zu weinen. Es war also meine Tochter, die uns auf diesen Weg brachte.

Warum machst du Windelfrei?

Meine Tochter signalisierte von Anfang an richtig deutlich, dass sie mal muss. Das Abhalten verschaffte ihr Linderung und das Weinen nach dem Stillen hörte auf. So wuchsen wir da rein.

Irgendwann fand ich es dann wirklich schlimm, meine Tochter in diese Plastikdinger einzupacken. Sie protestierte richtig, wenn sie eine WWW anhatte, mal musste und wir nicht direkt abhalten konnten. Und auch beim Autofahren weinte sie immer, wenn sie mit WWW in der Babyschale saß. So verschwanden die dann also nach 3 Monaten auch und wir wurden eine richtige Vollzeit-Windelfrei-Familie.

Ich fand es wichtig, auf die Bedürfnisse meiner Tochter einzugehen. Auch wenn das oft mit nassen Klamotten (bei Mama und Kind) und auch mal einem nassen Bett einherging, würde ich es jederzeit wieder machen. Die Kommunikation mit meiner Tochter ist schon immer wirklich gut gewesen, nicht nur in Bezug auf das Ausscheidungsbedürfnis. Sie kommt mir – und auch anderen – oft weiter entwickelt vor, als andere Kinder in ihrem Alter. Natürlich ist vergleichen blöd und unsinnig. Aber es hat unserer Beziehung einfach so viel gegeben und dem kleinen Menschen auch eine Menge Selbstbewusstsein.

Was ist/war für dich der größte Stolperstein/die größte Herausforderung bei der Ausscheidungsbedürfniskommunikation? Und (wie) konntest du sie lösen?

Fremde Toiletten!

Meine Tochter hasste die ersten 1,5 Jahre fremde Toiletten, sowohl in Restaurants / Cafes etc. als auch bei Freunden, wenn wir zu Besuch waren. Sie machte aber auch nicht einfach in die Windel, die wir in solchen Momenten als Sicherheit um machten. Sie weinte dann, bis sie sich erleichtern konnte. Ich ging mit ihr dann zum Abhalten nach draußen, in ein Gebüsch, an einen Baum, über ein Gulli. Meine Devise war „wo ein Hund hinpullern darf, da darf auch meine Tochter hinpullern“. Ich hatte irgendwann schon automatisch den Blick für den Abhalteort, bevor wir irgendwo rein gingen.

Die Krippe!

Ich wusste, dass meine Tochter im Alter von 15 Monaten in die Krippe gehen würde. Ich kannte die Erzieherinnen bereits, da mein Sohn auch diese Einrichtung besucht. Daher kannten die Erzieher auch bereits meine Tochter und erlebten windelfrei mit. (Einer Erzieherin pullerte meine Tochter sogar mal auf den Schoß, als sie 4 Monate alt war. Sie reagierte aber ganz entspannt. 😉 )

Vor dem Krippenstart besorgte ich Trainerschlüpfer*. Diese hielten zwar auch kein ganzes Pipi, aber zumindest wurden nur die Klamotten meiner Tochter nass und nicht der ganze Fußboden. Das war mir für die Krippe wichtig. Die Eingewöhnung gestaltete sich schwierig, was aber nicht an windelfrei lag. Das funktionierte super und die Erzieher waren ganz begeistert. Anfangs ging ich mit ihr zur Toilette und die Bezugs-Erzieherin begleitete uns. Nach ca. 2 Wochen ging dann die Erzieherin das erste Mal alleine mit ihr zur Toilette und war ganz stolz, dass sie bei ihr pullerte.

Die ersten zwei oder drei Wochen nach der Eingewöhnung lief es weiterhin super mit der Ausscheidungskommunikation. Dann hatten wir eine schwierige Phase. Ein Tag in der Woche ohne Wechselwäsche, an allen anderen hatten wir mindestens 1 Satz. Ich hatte die G-Diapers mit den Ikea-Waschlappen mit in die Krippe gegeben und bot immer wieder an, dass sie ihr ruhig die Windel ummachen können, wenn es ihnen zuviel wird. Die Erzieher waren aber ganz entspannt, sagten, dass sie ihr vertrauen und ihr die Möglichkeit geben möchten, zu kommunizieren, solange mir die Wäsche nicht zuviel wird.

Nach ca. 4 Wochen war der Spuk vorbei. Seitdem läuft es wirklich gut. Ab und zu (1-2x im Monat) haben wir mal Pipi-Wäsche. Wir gehen morgens, bevor ich sie in die Gruppe bringe, nochmal Pipi machen. Danach signalisiert sie sehr gut und geht mit jeder der drei Erzieherinnen problemlos auf die Toilette.

Was hilft/half dir in herausfordernden Situationen am meisten?

Der Leitsatz „Wischen, waschen, lächeln!“ und „Nicht stressen!“

Sobald ich mich irgendwie verkrampfte, übertrug sich das sofort auf meine Tochter. Wenn ich hingegen innerlich ruhig war, konnte sie besser loslassen.

Außerdem natürlich die Waschmaschine, der Trockner und der Kamin! Über dem Abspergitter kann man nämlich super kleine Babyhosen aufhängen, wenn er an ist. Die trocknen dann in kürzester Zeit. 🙂

Was ist/war für dich der größte Vorteil/das Beste an der Ausscheidungsbedürfniskommunikation?

Die gute Kommunikation mit meiner Tochter und die damit verbundene enge Bindung!

Natürlich haben wir auch eine Menge Geld gespart, indem wir weder WWWs noch Stoffwindeln gekauft haben (bis auf die 2 G-Diapers*). Wir brauchten dafür zwar mehr Hosen als Wechselwäsche, die habe ich aber meist gebraucht gekauft.

Es gibt mir einfach ein gutes Gefühl, meine Tochter so ernst genommen zu haben und im Grunde so einfach auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können.

Wir hatten nie Probleme mit wund sein o. ä. Sie musste nie nachts in ihrer vollgepullerten Windel liegen. Der kleine zarte Baby-Popo war halt einfach immer sauber!

Inzwischen wird mir richtig übel, wenn ich einer Freundin dabei zusehe, wie sie ihrem knapp 2-jährigen Sohn die vollgekackte Windel wechselt, den Stuhl vom Po wischt … Dabei war mein großer Sohn ja auch ein Wickelkind (allerdings auch mit 23 Monaten trocken). Ich nehme das inzwischen ganz anders wahr.

Ich würde windelfrei jederzeit wieder machen!!

Lucia: Für alle, die jetzt denken: „Boa, das ist ja total polarisierend! Ich sehe das anders!“ oder „Ich mache zwar Windelfrei, aber trotzdem gibt es manchmal volle Windeln, die ich erst nach einer Weile bemerke …“ möchte ich gerne den Wind aus den Segeln nehmen und auf beiden Seiten für Verständnis werben. 

Sabrina kann es doch so sehen, wie sie möchte. Sie kennt auch beide Seiten. Und du darfst es so sehen, wie du möchtest. Das hat alles Platz 🙂 

Lies auch gerne diesen Artikel über Bedürfnisorientierung, in dem ich genau dafür werbe, uns Eltern gegenseitig mehr mit Gelassenheit und Verständnis zu begegnen, anstatt abzuurteilen.

Hast du einen konkreten Tipp für andere Windelfrei-Eltern?

Wischen, waschen, lächeln! 🙂

Alles kann, nichts muss … Mal läuft es und mal nicht … Das wichtigste ist, dabei entspannt zu bleiben und nicht hartnäckig irgendwelche Ziele erreichen zu wollen.

Jeder kann es probieren, ein Versuch schadet nicht!

Und für die Handtasche eignet sich ein faltbarer Hunde-Trinknapf*, falls sich wirklich mal kein Ort zum Abhalten findet. 😉

 

Vielen Dank Sabrina für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht! <3

 

Hast du ähnliche Erfahrungen? Schreib mir gerne und erzähle von deinen Erlebnissen und deiner Einstellung zu Windelfrei!

 

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4 thoughts on “Windelfrei in der Krippe – geht das? Ein Windelfrei Erfahrungsbericht

  1. spannender bericht!
    meine tochter hat meistens g-diapers als backup an, da ich sie soweit es geht abhalte. ich frage mich was der unterschied ist, ihr auch garkeine stoffies anzuziehen…? die wäsche bleibt ja die gleiche, nur dass ohne stoffwinel auch noch andere dinge wie teppich, stühle nass werden können…
    meine frage ist ernst gemeint und ohne wertung oder kritik: bringt das einen vorteil? und wenn ja welchen?
    theoretisch wüden ja auch www´s gehen, wenn sie durch abhalten trocken bleiben, die mag ich halt wg dem plastik nicht.
    danke und gruss

    • Hallo Ariane!

      Ich freue mich, dass du noch mehr Artikel liest :-))

      Mir gefällt deine Frage!

      Und die Antwort ist wie immer vielschichtiger 😉

      * Die größte Bewegungsfreiheit liefert … tatata: Gar keine Windel! Windeln beeinträchtigen nachweislich das Gangmuster, also das Laufenlernen negativ.

      * Ob es mit oder ohne Stoffis mehr oder weniger Wäsche ist, lässt sich nicht so einfach sagen. Wenn die gleiche Anzahl an Geschäften „daneben“ geht, dann ist es ohne Stoffis etwas mehr Wäsche (Hose + Mulltuch zum Aufwischen). Allerdings kann das Weglassen von Stoffis dazu führen, dass dein Kind besser signalisiert und du aufmerksamer bist, also dass ihr euch besser auf eine Kommunikationsebene einstellt. Dann ist es ohne Backup weniger zu waschen.

      * Es könnte für dich selbst einfacher sein, eine Hose zu wechseln statt der Stoffwindel. Oder dein Kind nackt sein zu lassen und ggf. nach zu wischen (das geht nämlich ohne ein Kind, das gerade besseres zu tun hat 😉 ).

      * Viele Kinder entwickeln mit der Zeit eine Abneigung gegen Windeln (evtl. sind Windelfrei-Kinder damit etwas früher dran als vollzeitgewickelte Kinder, da sie vielleicht häufiger mal ohne Windel sind), weitere Hosen sind hingegen meist in Ordnung.

      * Einigen Kindern bringt der Tausch Stoffi -> Hose den Vorteil, schneller „trocken“ zu werden. Bei einer Hose ist es nochmal klarer, was passiert, und das das „irgendwie nicht passt“. … bei einigen Kindern führt es aber auch dazu, dass Geschäfte dann gerne „überall“ verrichtet werden.

      Ich lade dich sonst gerne ein, es situationsspezifisch zu machen. Unterwegs z. B. ein Backup, Zuhause auch fix eingeplante Unten-Ohne-Zeit. Oder so 🙂

      Herzliche Grüße!
      Lucia

  2. klar, ich hab schon fast alle artikel gelesen, und noch ne menge fragen, und bin dankbar einen ort gefunden zu haben, an dem ich diese fragen loswerden kann 😉
    – bewegungsfreiheit leuchtet mir ein, wobei madame schon so megamobil ist, dass sie ohne windel wahrscheinlich bald fahrrad fährt 😉

    – WO lasst ihr eure kinder unten ohne sein…?
    im sommer dürfen sie nicht in die sonne, das gras z.b. im schatten isst meine mit vorliebe auf, auch sind im garten rosen und ein teich… und im haus sind entweder teppiche oder fliesen die mir für nen nackten babypopo zu kalt erscheinen. der radius eines inkontinenzlakens ist definitiv zu klein. dann bliebe nur noch laufstall, den ich bisher vermieden habe…
    am besten klappt es bei uns ja in der trage, nur wenn die ständig eingepullert wird, auch doof … oder der kinderwagen… 🙁 ??

    – ich zieh ihr manchmal zuhause kleine leggins an, und habe den eindruck, dass sie sie schneller einpullert als die stoffis…??? und auch nicht wirklich/weniger bescheid sagt. wobei wir das zuhause eh sehr viel weniger gut schaffen als unterwegs…

    aber ich kann das ja mal mehrere tage am stück beobachten…

    lieben gruss

    • Hallo Ariane!

      Ich komme wieder zum antworten 🙂

      Gras-essen ist gesund! Fast alle Grassorten sind genießbar und haben einen guten Nährwert. Rohkost-Insiderwissen 😉

      Es klingt bei euch danach, als bräuchte die Süße von der Bewegungsentwicklung her keine Unterstützung. Und dass sie mit Backup besser Bescheid gibt. Das spricht dafür, dass ihr in dieser Phase (es wird auch wieder andere geben) eher Backups verwendet.

      Warum dürfen Kinder nicht in die Sonne? Vitamin D müssen wir ja alle bilden 🙂 Gegen Sonnenbrand hilft zB ein helles T-Shirt oder auch viele Grünpflanzen (Gras, Spirulina, Chlorella … selbst gegessen oder über MuMi). Oder ein Sonnendach.

      Und warum sind Rosen und ein Teich ein Problem? 😉 Ich habe dazu eine etwas andere Sichtweise, die zum Teil aus dem Continuum-Concept (Jean Liedloff – Auf der Suche nach dem verlorenen Glück http://amzn.to/2vVlUfJ) erwachsen ist. Dabei geht es stark um eine vertrauende Grundhaltung.

      Demnächst erscheint ein Gastartikel von mir zu genau dieser Herausforderung, wenn Kinder ganz ohne Windel aufwachsen. Bitte gedulde dich noch etwas 🙂

      Ganz Herzliche Grüße! Lucia

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