Windelfrei Praxistipp: Wenn du keine Signale erkennst

Denkst du auch manchmal, dass du keine Signale bei deinem Kind wahrnimmst? Dass du nicht weißt, wann sie/er Geschäfte machen möchte?

Damit bist du nicht alleine!

Es gibt einige Eltern, denen es  so geht (manchmal auch nur zeitweise) – und die trotzdem Windelfrei praktizieren. Denn es gibt ja auch die sogenannten Standardsituationen.

Und es gibt noch etwas. Etwas, das du unbedingt wissen musst! Ich verrate es dir gleich. Doch lass uns von vorne beginnen, damit du es auch wirklich verstehst:

Du möchtest dein Kind gerne bei seinem Ausscheidungsbedürfnis unterstützen, weißt aber nicht, wann sie/er mal muss?

Dann musst du erst einmal wissen, wie mögliche Signale aussehen können. Schau dafür gerne in meine Signalsammlung oder in die Liste von Julia von Windelwissen.

Auch das musst du unbedingt wissen:

Babys signalisieren manchmal kurz oder auch eine ganze Weile lang (durchaus auch 5 bis 20 Minuten). Wird in dieser Zeit nicht auf das Bedürfnis eingegangen, z. B. weil es nicht erkannt wurde, beenden viele Babys ihre aktuelle Mitteilung (das nächste Geschäft wird wahrscheinlich wieder angezeigt).

Und jetzt kommt der super wichtige Teil:

Nach diesem meist längeren Kundtun ihres Bedürfnisses, warten viele Babys eine Weile. Erst dann erleichtern sie sich schließlich (scheinbar ganz plötzlich und ohne mit der Wimper zu zucken). Doch das Signal war da! Nur eben schon eine ganze Weile vorher!

 

Was kannst du also tun?

1. Lerne mögliche Signale kennen (z. B. hier).

2. Beobachte dein Baby! (Gestalte diese Zeit so, wie du es sonst auch machen würdest, nur z. B. statt Windel mit einem Mulltuch zwischen den Beinen, sodass du ein Geschäft erkennen kannst. Liegt sie/er normalerweise? Dann auf diese Weise. Trägst du sie/ihn die meiste Zeit? Dann so. Es macht keinen Sinn, dein Baby in einer Position oder Situation zu beobachten, die in eurem Alltag normalerweise nicht vorkommt!)

3. Achte darauf, ob sie/er eines dieser Signale für ihre/seine Geschäftsmitteilung nutzt.

4. Denk daran, dass das Signal auch eine ganze Weile vor dem Geschäft erfolgen kann!

5. Hast du auf diese Weise ein Signal ausmachen können? Dann biete deinem Baby das nächste Mal bei diesem Signal-Verhalten gleich den stillen Ort an. So zeigst du ihr/ihm, dass du die Mitteilung verstanden hast und sie/er kommuniziert dann vielleicht auch deutlicher.

Probiere es gleich aus oder überlege, wann es in den nächsten Tagen passen könnte!

 

Lass dich nicht verunsichern!

Jetzt könntest du natürlich auf die Idee kommen, dass es in allen Fällen an dir liegt, wenn du keine Signale erkennst. Du müsstest nur genauer hinsehen, deinem Kind noch mehr Aufmerksamkeit schenken und sie/ihn noch besser überwachen.

Nein! Bloß nicht! 😉

Dieser Windelfrei-Praxistipp ist vor allem für etwas jüngere Babys, also jedenfalls für unter 1-Jährige. Und er kann dir in einigen Fällen helfen, nämlich dann, wenn dein Kind einfach etwas früher signalisiert und du es bisher aufgrund des zeitlichen Abstandes einfach nicht erkennen konntest.

Es gibt aber auch Kinder, die nicht signalisieren – gar nicht oder phasenweise nicht. Gerade ältere Kinder (über 1 Jahr oder auch schon früher) können ihr Geschäft ganz still und heimlich verrichten. Absichtlich. Und das ist auch OK so, dann wollen sie eben gerade nicht kommunizieren oder abgehalten werden. Das ist allein ihre Entscheidung und hat nichts mit dir als Mutter/Vater/abhaltende Person zu tun!

(Und weil das ein sehr komplexes Thema ist, gibt es dazu demnächst auch noch einen Artikel. Wenn du informiert bleiben willst, trag dich gleich für den Newsletter auf der rechten Seite ein, dann sende ich dir immer die aktuellsten Infos zu und du verpasst ab sofort nichts mehr!)

 

Finde es heraus!

Jetzt bist du informiert und weißt, dass dein Baby vielleicht auch schon einige Zeit vor dem Geschäft signalisiert, dass es mal muss und abgehalten werden möchte. Und du weißt auch, dass es sein kann, dass dein Kind tatsächlich keine Signale gibt. Und das beste: du weißt jetzt, wie du es herausfinden kannst! 🙂

 

 

Kannst du jetzt ein paar Signale erkennen? Hast du diese Beobachtung auch schon gemacht? Schreib mir, wie es euch geht!

6 thoughts on “Windelfrei Praxistipp: Wenn du keine Signale erkennst

  1. Mut zum Signale verstehen.

    Vorab meine Eckdaten:
    Mit 2 Monaten Windelfrei gestartet.
    Das Kind wird fast nur getragen.

    Als ich mit Windelfrei angefangen habe, war ich einfach mutig. Keine Wegwerfwindeln, keine Back-Ups, nichts. Es gab nur den blanken Babypo in der Hose. Mein Back-Up war dieWaschmachine. (Eine Stoffwindel schützt jedoch das Tragetuch, da ich nicht so viele hatte zum wechseln, aber ich blieb ungeschützt)
    Es ist unglaublich, wie sensibel man wird, wenn man weiß: wenn ich nicht auf passe, werde ich nass.

    Es bedarf jedoch drei Voraussetzungen:
    1. Kein Ekel vor Urin. Man wird eben nur nass.
    2. Die erste Zeit zu Hause zu sein, damit man sich und das Kind zeitnah umziehen konnte.
    3. Das Wichtigste: Spaß an der Sache. Es ist kein Wettbewerb. Wenn etwas daneben geht: Lächeln, Wischen, Weitermachen.

    Wenn sie mal ein Back-Up anbekommt (z.B.wenn wir Besuch bekommen und ich weder mir noch dem Kind Stress machen möchte) dann merke ich wie schnell ich unaufmerksam werde.
    Ebenso brauch ich nach einem stressigen Tag wieder einen Tag, um mich wieder mit meinem Kind einzupielen. Das bedeutet dann ein Tag mehr Wäsche.
    Ich habe für mich festgestellt, je aufmerksamer ich auf die Signale meines Kindes achte, desto deutlicher wird das auch das Kind mit dem Signal geben. Nach dem Motto: Mama hört mir zu, dann lohnt es sich zu kommunizieren.

    Wer mutig ist und die Zeit zu Hause hat, dem kann ich nur empfehlen es ohne Back-Up zu probieren.

    PS: Jedes Kind ist anders und nur weil es bei mir funktioniert hat, muss es nicht bei jedem klappen, aber es ist ein Versuch wert!? 😉

    • Hallo Sarah!

      Danke für deinen Bericht! Ich freue mich sehr, dass du über deine Erlebnisse berichtest und noch dazu so viel Mut machst! Du sprichst dabei vieles an, das auch meinen persönlichen Erfahrungen entspricht. (Genau, es kann auch ganz anders sein, Kinder, Familien, Personen sind ganz individuell. Und doch, es kann und darf auch genau so sein: Simpel, schön, gemeinsam 🙂 )

      „Waschmaschine als Back-Up“ ist eine coole Formulierung! Gefällt mir B-)

      Ich bin gerade auch dabei, einen einheitlichen Fragebogen zu entwerfen und dann genau solche wichtigen Erfahrungsberichte zu veröffentlichen – natürlich auch inklusive Stolpersteine und Herausforderungen, damit wir noch besser davon lernen können 🙂 Wenn du Lust hast, würde ich mich freuen, wenn du dann irgendwann dabei mit machst!

      Herzliche Grüße!
      Lucia

  2. Alle unsere Kinder durften zeitweise windelfrei leben, damals nannte ich es noch nicht so, es war mir einfach ein Bedürfnis, sie nicht immer in Windeln liegen zu haben. Sobald der Sommer kam und sie um 1 Jahr waren und wir draußen waren (nicht unterwegs), waren sie ganz windelfrei- ein Schlüpfer und eine Hose sind schnell umgezogen (Waschmaschine als Back-up, wie meine Vorkommentierende so schön sagte), bei den Mädels war es ja noch unkomplizierter, wenn sie Kleider an hatten. Bei unserem 7. Kind hörte ich das erste Mal von windelfrei und probierte es aus, da war sie 15 Monate alt. Unsere 3 nächsten Kinder sind alle komplett seit Geburt windelfrei und ich finde es so wichtig zu sagen, dass man diesen Perfekt-sein-Druck raus nimmt. Wir haben doch Waschmaschinen, was ist denn so schlimm daran, mal nass zu werden?! Es ist so ein Zugewinn an Nähe und Kommunikation! Wir lernen als ganze Familie immer mehr dazu und ich freue mich, dass unsere Kinder dann schon in der 2. Generation windelfrei praktizieren können und einen kleinen Erfahrungsschatz Vorsprung haben…

    • Hallo Mirjam!

      Wie entspannt du über Windelfrei schreibst, gerade bei so einer großen Familie! 🙂

      Genau, da bekommen auf alle Fälle deine Älteren schon einen guten Erfahrungsschatz mit! Das ist die Intuition, von der immer wieder die Rede ist, die wir uns erst aufbauen müssen, weil wir selbst fast nur gewickelte Kinder gesehen haben. Ich freue mich immer wieder riesig, wenn Kinder so ein Geschenk erhalten! 🙂

      In deine Windel-Wissen-Serie muss ich demnächst auch einen längeren Blick werfen – klingt spannend! Vielleicht darf ich dir auch gezielt ein paar Inteviewfragen für einen Blogartikel stellen?

      Herzliche Grüße!
      Lucia

  3. Unser Kleiner wird fast zwei, ich habe mich vorher nie mit dem Konzept beschäftigt bzw. davon gehört. Erst jetzt, wo es ans Trocken werden geht, stoße ich auf viel gute Artikel und Inspirationen wie diesen hier – vielen Dank!

    • Hallo Sonja!

      Danke! 🙂

      Dann wünsche ich euch viel Spaß beim baldigen oder späteren Windelabschied! Wenn englisch für dich ok ist, kann ich dir The Tiny Potty Training Book von Andrea Olson empfehlen. Witzig geschrieben, klar, einfach und wertschätzend. Aber Achtung: Eine ihrer Grundaussagen ist: sind sie Eltern bereit, ist es auch das Kind! 😉

      Herzliche Grüße!
      Lucia

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